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Trauerschmuck

Trauerschmuck – spürbare Erinnerung

„Die menschliche Seele kann nicht zugleich mit dem Körper völlig vernichtet werden,
sondern es bleibt von ihr Etwas, welches ewig ist.“ Baruch de Spinoza

Dieses Streben, dieses Sehnen nach einer Verbindung zu dem Menschen, der von uns gegangen ist, ist der Grund für Trauerschmuck, dessen Geschichte so alt ist, wie die Menschheit selbst. Bis in früheste Zeiten lässt sich die Existenz von Schmuckstücken belegen. Grabbeigaben in der ägyptischen Trauerkultur oder das Ablegen von Schmuck in der Antike weisen auf die besondere Bedeutung von Schmuck im Zusammenhang mit Tod und Trauer hin. Er hat schon immer neben der Verschönerung und der Zurschaustellung von Geld und Macht einen tieferen symbolischen Sinn besessen. Ihm wohnt das Bedürfnis, das Gedenken an einen Verstorbenen nach außen zu tragen, inne.

Früher verband man das Wort „Gefühl“ noch viel mehr mit dem Wort „fühlen“: tasten, berühren … Deswegen bot das Haar eines Verstorbenen – zu einem Armband verwoben – die Möglichkeit den geliebten Menschen noch lange nach seinem Tod zu spüren. Man glaubte an die Magie und Kraft, die ihnen inne wohnen sollte.

Gedenkschmuck hat seine Wurzeln in England des 16. Jahrhunderts. Vorwiegend Ringe verwendeten Totenköpfe und gekreuzte Gebeine, die der Symbolik des Spätmittelalters entlehnt wurden. Im 18. Jahrhundert wandelte sich die Gestaltung des Trauerschmucks grundlegend. Broschen, Anhänger und Ringe zeigen, inspiriert von der Kunst der Antike, nun vor allem Obelisken, Säulen, Altäre und Urnen. In Kombination mit Bildnissen von trauernden Hinterbliebenen werden diese Bildnisse mit Zweigen der Trauerweide gerahmt.
Durch Schriftzüge wie „Remember me“ wurde dem Wunsch nach Erinnerung zusätzlich Ausdruck verliehen.

Außergewöhnliche und kunstvolle Broschen, Ketten und Ringe sind typisch für das 19. Jahrhundert. Vorallem wurden Jett, Onyx, Emaille und auch Eisen für die Herstellung verwendet. Perlen galten als Symbol vergossener Tränen. Von verspielt romantisch bis klassischer Einfachheit war alles möglich. Auch die Art zu Trauern änderte sich: festgelegte Trauerzeiten entsprechend des Verwandtschaftsgrades und spezielle Kleidung sowie Schmuck sollten den Schmerz lindern.

Die öffentliche Zuschaustellung von Trauer und Schmerz wurde Ende des 19.Jahrhunderts immer unerwünschter. Der Tod wurde immer mehr sukzessive ausgeblendet. Trauerzeiten und Riten verloren mehr und mehr an Bedeutung. Die Grenzen zwischen Trauer- und Modeschmuck verwischten. Diese Entwicklung markiert das Ende einer langen Tradition. Preiswerte Herstellung von Schmuckstücken führte zur Massenanfertigung und der individuelle Charakter der Schmuckstücke verlor sich.

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Bei modernen Trauerschmuck ist das Fühlen nur bedingt möglich. Fingerabdrücke werden in verschiedene Schmuckstücke gepresst, Asche und Haare des Verstorbenen werden in Amulette gefüllt oder zu Edelsteinen verarbeitet. Diese Art von Gedenkschmuck wirken wie klassische Schmuckstücke, so dass nur Eingeweihte wissen, welche Geschichte dahinter steckt. Damit wird die eigene Trauer und der Verlust der Öffentlichkeit entzogen und in private Zusammenhänge gerückt.

Deshalb ist dieser Schmuck nicht auf die Trauerzeit beschränkt, sondern kann für immer getragen werden. Er gilt als Symbol der Verbundenheit zu einem nahestehenden Menschen, der bereits zu Lebzeiten Spuren im Herzen hinterlassen hat. Es ist deshalb auch nicht unüblich, ihn schon vor dem Tod anfertigen zu lassen als besondere Geste der Zuneigung, Treue, Freundschaft oder Liebesbeweis, die man untereinander austauscht.