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Trauerfeier

Frau Barbara Leisner schildert in ihrem sehr empfehlenswerten Ratgeber „Abschied nehmen – Rat und Hilfe in den Tagen der Trauer“ die Gestaltung und Sinn von Trauerfeiern im Rahmen einer Bestattung. Sie spricht uns in allen Punkten sehr aus dem Herzen, so dass wir hier sie gern zitieren wollen:

Die Trauerfeier

„Eine Trauerfeier kann zum Ventil für schmerzliche Gefühle werden und eine gewisse Öffentlichkeit schaffen, in der allen Beteiligten deutlich wird: Hier ist ein Menschenleben in seiner ganzen Einzigartigkeit zu Ende gegangen. Sie führt die Lebenden in seinem Namen zusammen und setzt dabei – wie auch immer sie gestaltet wird – zugleich sozusagen ein Zeichen gegen das allgemeine Erschrecken vor dem Tode. Damit kann jedem zugleich auch die Einzigartigkeit des eigenen Lebens bewußt werden. So ist eine Trauerfeier ein wichtiger und sinnvoller Ritus, der den Übergang von einem Zustand in einen anderen für die Lebenden markiert und erleichert. Vielleicht hilft dieser Ritus ja auch den Toten auf ihren Wegen? Aus allen diesen Gründen scheint es mir außerordentlich wichtig, vor jeder Bestattung eine Feierstunde durchzuführen.

Üblicherweise nimmt man vom Verstorbenen so Abschied, daß er in seinem Sarg im Mittelpunkt der Handlung steht. Die Feier kann dabei in einem geschlossenen Raum oder am offenen Grab stattfinden. Manche Menschen wählen auch den Zeitpunkt der Urnenbeisetzung für eine gemeinsame Feierstunde oder besuchen bei einer anonymen Beisetzung später gemeinsam die Gräberfläche. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, welche Art für die Leidtragenden besser ist. Generell ist zu sagen, daß die Gegenwart eines toten Körpers in seiner Ganzheit natürlich größer und intensiver ist als die der Asche. Ob aus der Abschiedsfeier eine große Veranstaltung wird oder ein kleiner Kreis von nahen Freunden und Verwandten zusammenkommt, oder wie lange die Feierstunde dauern soil, muß jeder selbst bestimmen.

Wichtig scheint mir dabei, daß die Trauernden sich geborgen und aufgehoben fühlen dürfen, und daß den vielen Gefühlen und Erinnerungen, die vom Abschied ausgelöst werden, Raum gegeben wird. Leidtragende können die Gestaltung einer solchen Feier als besondere Aufgabe für sich und für ihren Verstorbenen ansehen.

Trauerfeier Bestattungsinstitut Muschter Februar 2019

Dekoration der Feierhalle

Eine gewisse Dekoration des Feierraumes ist meist als Grundausstattung im Preis der Friedhofskapellen inbegriffen. Sie muß aber für eine weitere individuelle Ausgestaltung durch die Hinterbliebenen genug Raum lassen (Gaedke, S. 227).

Die übliche Dekoration, wie sie die Bestattungsunternehmen anbieten, besteht aus einem Sargschmuck – meist frische Blumen und mancherorts ein Bahrtuch, das über den Sarg gelegt wird – sowie einer unterschiedlich großen Anzahl von Leuchtern, Lorbeerbäumchen, Tüchern und Blumensträußen, die in hohen Vasen aufgestellt werden und farblich j e nach Jahreszeit und Geschmack ausgewählt werden können.

Diese Dekoration ist, wenn sie vom Friedhof oder Bestattungsunternehmen gestellt wird, je nach Menge und Art unterschiedlich teuer. Die Kosten können – besonders bei dem frischen Blumenschmuck im Winterhalbjahr – rasch zu einer relativ hohen Summe auflaufen.

Man muß sich aber nicht unbedingt an das halten, was allgemein üblich ist. Es steht nirgendwo geschrieben, daß Sie bei einer Abschiedsfeier in Reihen vor dem Sarg und dem Rednerpult sitzen müssen. Sie können die Stühle genauso gut im Kreis um den Sarg herum aufstellen. So wird schon durch das Zusammensitzen eine Gemeinschaft gebildet, in der der Verstorbene noch einmal den Mittelpunkt bildet.

Sie müssen den Raum auch nicht mit großen Leuchtern und Blumenampeln dekorieren lassen. Ein Kapellenwärter erzählte mir einmal von der schönsten Abschiedsfeier, die er gesehen hatte. Es war Herbst gewesen, und die Angehörigen hatten den Fußboden und die Wände des ganzen Raumes mit buntem Laub und belaubten Ästen dekoriert. Sie können also den Sarg zum Beispiel auch  mit einem selbstgepflückten Blumenstrauß aus dem Garten oder vom Wegesrand schmücken; oder Sie suchen im Blumengeschäft die Lieblingsblumen oder Blumen in der Lieblingsfarbe des Verstorbenen selbst aus und lassen sie zu einem Strauß binden; oder Sie streuen im Frühling frische Blüten. Hinter Blumenschmuck verbirgt sich immer auch der Gedanke, daß geschnittene frische Blumen und Pflanzen symbolisch zugleich für Leben und Tod stehen, und daß sie ebenso wie wir in den Kreislauf der Natur eingebunden sind.

Auch Dinge, die dem Verstorbenen lieb waren, Bilder oder Symbole für die Verbindung, die man mit ihr oder ihm hatte, können – neben dem Sarg – noch einmal von Nähe und Liebe zueinander Zeugnis ablegen.
Sie müssen auch nicht unbedingt die vielarmigen Kerzenleuchter der Bestattungsunternehmen verwenden. Manchmal lassen einfache Teelichter die Bedeutung des Lichtes viel intensiver spüren als die üblichen erhabenen Leuchter. Diese schlichten Lichte können in ihrer Vielzahl, wenn sie von den Trauergästen angezündet und neben den  Sarg gestellt werden, zugleich zu einem Zeichen der Hoffnung und der Gegenwart einer höheren leuchtenden Kraft werden, die in jedem vorhanden ist.

So kann es in der Trauerfeier viele kleine, liebevolle Momente geben, die für die Angehörigen und Freunde die Verbindung zum Verstorbenen wiederaufleben und damit die gemeinsame Feierstunde zu einem persönlichen und bewegenden Abschied werden lassen.

Dazu muß man allerdings bereit sein, vorher noch einmal ganz intensiv an den Verstorbenen zu denken, sich seine besonderen Vorlieben ins Gedächtnis zu rufen, sich an Gemeinsamkeiten zu erinnern und allen diesen Gefühlen und Gedanken einen Ausdruck oder eine Gestalt zu geben.

Dieser Ausdruck kann dann zum Beispiel auch ein Bild sein, das ich wie ungelenk auch immer – für mich und ihn oder sie male. Es kann ein Urlaubsfoto, eine getrocknete Blume, ein Ring, eine Muschel oder vieles andere sein. Wenn es für unsere Verbindung steht und in der Mitte beim Sarg liegt, wird es eine besondere Kraft gewinnen. Von einer solchen Feier werden wahrscheinlich die meisten Beteiligten innerlich anders berührt werden, als es sonst üblich ist. Wenn Sie Ihre eigene Dekoration nicht in einer kommunalen, sondern in einer kirchlichen Feierhalle oder einer Kirche ausführen wollen, sollten Sie allerdings vorher mit dem Geistlichen besprechen, ob er damit einverstanden ist.“

Barbara Leisner, Ratgeber „Abschied nehmen – Rat und Hilfe in den Tagen der Trauer“ 1998 im Herder-Verlag